Rückkehr nach Deutschland

Langsam mache ich die Augen auf. Alles ist noch verschwommen und ich strecke mich in meinem Bett aus. Es ist schon hell drauβen und die Vögel zwitschern. Noch halb im Traum schaue ich in mein Zimmer und bin auf einmal hellwach. Moment mal. Wo bin ich? Amerika? Deutschland? Was ist passiert?
Die Erinnerungen kommen wie in einem Film zurück. Bilder vom Abschied, dem langen Flug und der Ankunft in Berlin. ‘Ich bin hier’, realisiere ich. Das ist mein altes Zimmer. Ich bin wirklich wieder in Deutschland.

Vollkorn Brötchen mit Quark zum Frühstück, lautes Vogelgezwitscher bei Frühlingstemperaturen, grüne Ampelmännchen, Dönerstände, die Berliner Schnauze, gelbe U-Bahn, ausgefallene Mode, Techno-Musik im Park, Zigaretten, Gras und ein buntes Fest der Kulturen – Berlin zeigt seinen Lifestyle. Und ich mittendrin.

Wer hätte gedacht, dass man in seinem eigenen Land einen Kulturschock bekommt?
Wie fühlt es sich überhaupt an, wenn man nach 2 Jahren Kalifornien in sein altes Leben zurückkommt? Ich kann euch sagen wie ich mich fühle: total überfordert.

Zum einen treffen zwei Welten aufeinander. Das neue Ich, welches gelernt hat Aufmerksamer zu sein, Selbstbewusster, Offener für neues. Die Julia, die halb USA bereist hast, 2000km an einem Wochenende gefahren ist, um in einen Nationalpark zu gehen, Kurse am Amerikanischen College belegt hat und jeden Coffee Shop in San Francisco kennt. Ich treffe auf mein altes Leben in Berlin, welche ich eigentlich hinter mich gelassen habe. Wo ich zur Schule gegangen bin und noch gar nicht wusste, wie groβ die Welt eigentlich ist.
Wie interessant es doch ist, sein Leben mal aus einer neuen Sicht zu sehen. Damit kommt die Verunsicherung. Wo stehe ich jetzt? Wo will ich hin?
11258696_10206249883506546_428163597_n
11263859_10206249883466545_2095126510_n

Und dann sind da noch die kleinen Sachen, die auf einmal komisch sind: der Geschmack des Leitungswassers, Schalter der Toilettenspülung, das Gefühl der Matratze, das Klima, die Vögel, das Essen, Kopfsteinpflaster, Fahrradwege, Schaltwagen, nur zweispurige Autobahnen, Späties, Bier günstiger als Wasser und wie zur Hölle ist der Weg nach Hause? Zum Glück gibt es Google maps!

Wie ein Kind welches gerade die Welt entdeckt fahre ich durch Berlin, schaue mir alles genau an.
War das früher auch schon so?


11118513_10206249883306541_1921483053_n
Auf einmal reden alle Menschen um mich herum wieder Deutsch.
“Hey Julia! Da bist du ja wieder. Wir dachten du kommst gar nicht mehr zurück.” – höre ich jetzt jeden Tag. Ich erzähle von meiner Zeit in Kalifornien, doch teilweise fehlen mir die Worte. Wie heiβt das nochmal auf Deutsch?

Lächelnd steige ich in den Bus Richtung Kreuzberg um ein paar Freunde wiederzusehen.
“Einmal AB bitte”. Ich lege drei Euro hin. “Warum freuen Sie sich denn so?” fragt der Busfahrer. “Ich fahr zum ersten mal seit zwei Jahren wieder Bus hier”, antworte ich. “Warste im Knast oder wie?”.
Ich lache. “Nein. Ich war für zwei Jahre in Amerika.” Der junge Mann guckt mich verdutzt an: “Was machste dann hier?” Was mach ich hier obwohl ich eigentlich in Kalifornien am Strand sitzen könnte? Hmm. “Wie viel kostet denn ein Ticket jetzt?” frage ich ihn und schiebe meine 3€ näher zum Automaten. “2,70€”. “Das wird ja immer teurer”, lache ich ihn an. “Wenn se vier Jahre weg wärn, wärs noch teurer”. Ich nehme meine Fahrkarte und setze mich mit einem Schmunzeln hin.
Nicht nur die BVG Preise haben sich verändert.

Ich empfinde Berlin als voll, laut, dreckig, unangenehm, einzigartig, künstlerisch, offen, vielseitig und als eine vollkommen neue Stadt. Ich bin ein Berliner Tourist.

11349926_10206249883386543_879998794_n 11350357_10206249883346542_1550576992_n

You Might Also Like

No Comments

Leave a Reply