Woche Vier, so geht es mir.

Seit knapp einem Monat lebe ich nun das kanadische Farmleben und ich muss sagen: Uff, das ist ganz schön hart.
Ich bin sehr froh, dass ich mit offenen Erwartungen hergekommen bin, denn das Leben auf dem Land ist lang, körperlich sehr anstrengend, aber definitiv ‚worth it‘. Es ist ein gutes Leben, anders als wie ich es in Berlin, Amsterdam oder San Francisco hatte. In Kanada bin ich den ganzen Tag an der frischen Luft, habe viel Bewegung und alle möglichen Tiere um mich herum.

Täglich stoße ich an mein Limit, täglich fühle ich so viel Freude bei der Arbeit mit den Tieren, täglich muss ich mich aus meiner Komfort Zone drängen und täglich lerne ich etwas Neues. Besonders die weiten Himmel, die romantischen Sonnenuntergänge und die klaren Sternenhimmeln faszinieren mich bei meiner Arbeit auf dem Land.

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Sonnenuntergang über der Koppel © Julia Gill

In meiner ersten Woche nahm mich Debbie mit zu einer ‚Clinic‘ bei Alison Banbury auf ihrer Hill Haven Farm in Hillsburgh, Ontario. Ein paar mal im Jahr kommt der Nationaltrainer des niederländischen Dressurteams Rien van der Schaft, um ein mehrtägiges Seminar zu geben. Es war super spannend mit anzusehen, wie Rien mit den Reitern gearbeitet, welche Tipps er gegeben hat und wie sich das Reiter-Pferd-Team im Laufe der Zeit verbesserten.
Ich war immer ein Fan davon, anderen beim Reiten zuzuschauen, da man so viel für sich selbst mitnehmen kann. Durch Amsterdam hatte ich eine lange Reitpause, doch spätestens jetzt war meine Motivation selbst in den Sattel zu steigen, riesig.
Als Rien selbst ritt, erinnerte ich mich, wie einfach und gelassen Reiten aussehen sollte: Der Dressurprofi bewahrte immer eine weiche Kommunikation in der Hand und war super gelassen im Sitz, pfiff seine Lieder vor sich hin, als gäbe es nichts einfacheres auf der Welt, als ein Pferd von hinten nach vorne zu Reiten und sich selbst balancieren zu lassen.
Eine Sache konnte ich besonders mitnehmen: als Rien zu einer jungen, ehrgeizigen Reiterin meinte: „es dauert mindestens 10 Jahre, bis man diese Verbindung raus hat (richtige Anlehnung). Du bist auf dem guten Weg!“

Reiten braucht Zeit, viel, viel Übung, unterschiedliche Pferde, einen guten Trainer und die eigene Balance aus Ehrgeiz und Geduld.

Rein van der Schaft hat auch einige Dressurvideos auf DressageClinic.com bei Youtube, wo man gute Tipps abstauben kann.

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Hill Haven Farm, Trainingsort des kanadischen Olympiateams ©Julia Gill

In den ersten vier Wochen hatte ich auch meine erste Fahrstunde mit dem süßen Bandit. Das war nochmal eine ganz andere Erfahrung, als die Zügel aus dem Sattel in der Hand zu halten.

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Erste Fahrerfahrungen mit Bandit © Julia Gill

Fancy Nike Schlappen, Parfum und Schmuck sind in meinem Leben in Kanada jedenfalls ausgewechselt worden. Statt Laptop oder iPhone gibt’s nun Heu, Mistgabel oder Zügel in meiner Hand.

Mistgabel statt iPhone © Julia Gill

 

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