Skifahren in Whistler vs. Europa?

Ich war eines der glücklichen Kinder, die sehr früh auf Ski gesetzt wurden und jedes Jahr mit der Familie in die Alpen gefahren ist. Ich liebte es den ganzen Tag an der frischen Luft zu sein, das gute Essen zu mampfen und absichtlich auf der Piste meinen Bruder umzufahren.
Das Hobby wurde durch die Jahre aus den Augen verloren – mein letzter Urlaub in den Bergen war auf der Skifahrt in der Zehnten Klasse – also vor etwas 6 Jahren. Aber Skifahren ist ja wie Radfahren: da kommt man schnell wieder rein. Mit meinem Skipass und meinen EIGENEN, selbst gekauften Ski (man gönnt sich ja sonst nichts) dauert es etwa 2 Tage, bis ich wieder voll sicher auf den Brettern stand.

Zum ersten Mal in einem Nordamerikanischen Skigebiet, so weit weg von Zuhause, kommen doch ganz gerne mal Heimatgefühle auf. Und ich wäre nicht ich, wenn ich nicht in der Gondel Alpenmusik anmachen oder aus dem Lift Jodeln würde. Mit meinen internationalen Freunden verglichen wir: Wo ist es denn jetzt eigentlich besser? Was ist anders am Skifahren in Österreich/ Schweiz/ Frankreich und Whistler?

  1. Schnee, Schnee und noch mehr Schnee
    Die Whistler Skisaison geht von November bis Mai – recht lange im Vergleich, mit immer wieder neuen Schneefällen. Während wir in Europa oft hofften mussten, dass wir guten Schnee abkriegen, wurden wir hier nie enttäuscht. Dementsprechend ist auch der Powder in Kanada genial und backcountry ist sehr beliebt – damit auch schnell abgefahren.
  2. Service
    Die Kanadier sind ja bekannt dafür, dass Sie immer freundlich sind. Aber meine Güte! Die Menschen in Whistler sind einfach nur glücklich da zu sein und begrüßen dich jeden Morgen, lachen mit dir und nehmen dir vor der Gondel die Ski ab, um dich oben auf Berg wieder zu begrüßen und dir deine Ski in die Hand zu drücken. Absperrungen machen das Anstehen viel entspannter, sodass niemand zu kurz kommt und es zu keinem Ellbogenkampf kommt. Lange am Lift anstehen musste ich eh nie, da ich die Stoßzeiten mied.
  3. Lift-Talk
    In den 10-15 Minuten Liftfahrt habe ich tatsächlich so viele tolle Leute kennengelernt.
    Kaum hingesetzt wird gleich mit den Ski-Kollegen gesprochen: „How has your day been so far?“, „How is it going?“, „How long have you been up here?“. Man kommt ins Gespräch, erfährt was die Leute so machen, wo sie herkommen und inspiriert mit seiner eigenen Geschichte. Die Bar am Lift wird übrigens in Nordamerika eher nicht runtergemacht und bleibt oft offen. Hier sind wohl noch nicht so viele Leute aus dem Lift gefallen.
  4. No SmokingFür die Raucher unter uns eher ungeignet, ich empfand als toll, mal keinen Zigarettengeruch in der Nase zu haben, keine Kippen auf dem Boden zu finden, sondern einfach die Luft und Leute genießen zu können. Whistler Mountain und Blackcomb sind beide komplett rauchfreie Zonen, wer erwischt wird, zahlt konsequent mit seinem Skipass.
  5.  SkigebietZwei Berge, unendliche viele, oft sehr breite Pisten, die ich immer als sehr leer empfand, verbunden mit der größten Seilbahn der Welt: die Peak to Peak bringt dich von Blackcomb zu Whistler Mountain über das 4,4 km lange Tal in etwa 12 Minuten mit einer gigantischen Aussicht. Keine Lust mehr auf den einen Berg? Dann einfach hopp, auf den Anderen.
  6. HüttenNatürlich gab es auch negative Aspekte, die solch ein Skigebiet auf sich hat. Besonders gefehlt haben mir sie guten alten Holz-Hütten mit dem Alpenburger, Kaiserschmarrn und Bier. Whistlers Berge gehören zu nur einem Unternehmen, VailResorts, und dementsprechend sind alle Restaurants eher trostlos und ähneln einer langweiligen Cafeteria. Diese hat weder Charm und ist zu Stoßzeiten extrem voll. Durch das eher junge Skigebiet, gibt es hier nicht viel Tradition. Das Essen ist allerdings gar nicht so schlecht und auch bezahlbar. Es gibt neben Salaten, Pommes und Burger auch Vietnamesisches Essen und Ramen. Aber lange sitzen möchte man hier definitiv nicht.
  7.  Après SkiAuch Après Ski hat mich eher enttäuscht. Aus allen Ecken Kanadas habe ich gehört, wie verrückt es in Whistler Nachtleben zugehen soll. Letztendlich waren es hier nicht die Bars oder Clubs, die den Abend toll machten, sondern die Leute, mit denen ich aus war. Après ski in Kanada ist weder wild noch super crazy. Aber ich habe da als Berlinerin eine zu hohe Erwartungen. Der Club Tommys hat mir gut gefallen, da dieser noch am authentischsten wirkte und sogar zwischendurch mal Format B gespielt hat.

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