College

Leben auf dem Campus, blonde Cheerleaderinnen, trainierte Sportlertypen, Nerds mit Brille in der Chemie Vorlesung, wilde Studentenparties mit dem berühmten ‚red cup‘, extra credits, Finals etc – so stellt man sich seine Zeit an einem Amerikanischen College vor. Doch was ist dran an diesen Vorstellungen, wie ist der Unterricht und kann man diese Erfahrungen als Au Pair in den USA sammeln?

Um dein Auslandsjahr in den USA erfolgreich abschlieβen zu können, bist du verpflichtet 6 credits (oder 60h) an einem College oder einer Universität zu absolvieren.

Hier sind einige Möglichkeiten:

1. Weekend Classes
Viele Universitäten bieten Kurse, auch speziell für Au Pairs, über ein Wochenende an. Das kannst du entweder in deinem Ort machen oder vielleicht sogar mit einem kleinen Trip in eine andere Stadt verbinden (die du dann gleich von deiner Bucket-list streichen kannst).
Hier ist eine Website die solche Kurse anbietet.
Wie wäre es mit einer Tour durch Los Angeles oder Miami mit anschlieβender Diskussion über die Amerikanische Kultur? Oder vielleicht ein Photographiekurs in Chicago, Amerikanische Geschichte in Washington DC oder doch Pferdepflege und Reiten in Maryland?
Ich bin sicher: Hier ist für jeden etwas dabei!

2. College
Die wohl einfachste Möglichkeit ist auf ein nahegelegenes College zu gehen. Hier gibt es zwei Möglichkeiten:

Non-Credit:
Das sind kostenlose Kurse, wo ihr euch ganz einfach anmelden könnt. Credits sammelt ihr zwar nicht, aber ihr wollt ja in Amerika auch keinen Bachelor machen, sondern die absolvierten Stunden nur für den Abschluss des Programms erzielen.

Die Auswahl der Kurse ist allerdings recht beschränkt. Beliebt bei Au Pairs sind die sogenannten ESL-Classes (English as a second language). Dort wird dann nochmal Grammatik und Vokabeln wiederholt, was sehr nützlich in eurem Prozess des Englisch Lernens sein kann.
Hier habt ihr bestimmt auch die Möglichkeit andere Au Pairs oder Einwohner kennen zu lernen, die ihr Englisch verbessern wollen. Amerikaner werdet ihr hier eher weniger antreffen.

Credit:
Diese Variante ist etwas komplizierter, denn hierzu müsst ihr euch richtig im College einschreiben lassen. Da als internationaler Student Englisch eure Zweitsprache ist müsst ihr erst einen Aufnahmetest machen, damit sie einschätzen können, welche Kurse ihr besuchen könnt. Dieser Test geht ungefähr 2-4 Stunden und hat einen Englisch und Mathe Teil.
Doch keine Angst. Das ist leichter als es sich anhört und kann man in etwa mit einem MSA in der 10. Klasse in Deutschland vergleichen.
Anschliessend geht ihr zu einer Orientierung und wenn eure Ergebnisse fertig sind, wird ein Termin mit einem Counselor gemacht, der dir hilft deine Kurse auszuwählen und deinen Abschluss zu planen. Es reicht zu sagen, man möchte nur ein paar Kurse belegen zur ‚Personal Development‘ (Persönlichen Weiterentiwcklung).
In den Credit Kursen werdet ihr nun mit den richtigen Amerikanischen Studenten zusammen lernen und arbeiten, die am College ihre Credits sammeln und entweder auf eine Universität zu wechseln oder ihren Bachelor oder sonstige Zertifikate absolvieren.

Ein wichtiger Punkt bei Credit Kursen sind die Kosten, die als Au Pair auf dich zukommen. Auch wenn du als lokaler Amerikanischer Student an einem Community College nur etwa 45$ pro Credit bezahlen musst, so sieht das als Internationaler Student etwas anders aus.
Eine ‚Out-of-State Fee‘ lieβ meinen Preis nochmal ganz schön die Höhe schiessen, sodass ich als Au Pair pro Credit 245$ zahlen musste.
Da die meisten Kurse 3 credits bringen, kostet ein Kurs mindestens 730$. Dazu kommen noch andere kleine Gebühren vom College, sowie Bücher und Anfahrtskosten.
Überlegt auch also genau, ob es euch das wert ist!

3. Continuing Studies

Das ist die Möglichkeit doch noch an deinem Lieblingscollege/uni zu studieren.
Die Continuing Studies sind Abendkurse, die die Institutionen zur Fortbildung anbieten, haben allerdings auch einen stolzen Preis von 200-700$ (überspringen aber weitere Gebühren oder Anmeldetests). Die vielen Kursangebote sind anspruchsvoller als die non-credit Kurse und meist belegt von Erwachsenen oder Studenten, die sich weiterbilden möchten.
Kurse in Design, Gesundheit, Business, Management, Erziehung, Sprachen, Naturwissenschaften, Technik oder Schreiben – die Auswahl ist groβ!

Tipps:
Die USA bietet an ihren Colleges viele Kurse an, die es so in Deutschland nicht gibt.
Nutzt diese Chance und belegt etwas, was ihr vorher noch nie gemacht habt. Vielleicht einen Kochkurs um perfektes Sushi zuzubereiten? Seid kreativ, probiert etwas Neues aus und wer weiβ, vielleicht ergibt sich ja daraus ein neuer Traumberuf (als Sushimeister!) ?

Lasst euch einen Studentenausweis anfertigen! Mit diesem kriegt ihr bei vielen Museen oder Veranstaltungen einen Preisrabatt.

Meine Erfahrung am College

In meinem ersten Jahr als Au Pair in San Francisco habe ich einen non-credit Kurs in Business Englisch absolviert. Mit vielen anderen internationalen Au Pairs und Asiaten saβ ich zwei Mal die Woche für 2,5 Stunden am Computer, formatierte Briefe, lernte Vokabeln etc.
Die Beschreibung des Kurses sah so aus:
Development of written communication skills: punctuation, business vocabulary, capitalization, composition of business correspondence, spelling, proofreading, and use of office reference materials.
Wir hatten keine Klausuren, doch Hausaufgaben, die wöchentlich gecheckt wurden und am Ende eine Präsentation über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Deutschen und Amerikanischen Sprache.

Mein zweiter College Kurs war ein Continuing Studies Kurs an der Elite Stanford University:
The Science of Willpower. Jeden Montag Abend bin ich eine Stunde südlich ins Silicon Valley gefahren, den Palm Drive herunter, um dann auf meinem Lieblingscampus in die Vorlesung zu gehen. In diesem Kurs habe ich unheimlich viel über das menschliche Gehirn gelernt, wie es funktioniert, einige Tricks zum Thema Willensstärke angewendet und warum ich nie diesen Schokoladencookies widerstehen kann.
Hier ist eine kleine Zusammenfassung, die ich mal angefangen habe zu schreiben, nachdem der Kurs beendet war.

Die nächsten zwei Kurse waren in einem Art-Institut im Golden gate Park: Chinese Brush Painting und Watercolor and Ink. Auch hier musste ich keine Tests machen, dafür kamen einige wunderschöne Gemälde zu Stande.

Nach der Bewerbungsphase und erfolgreicher Registrierung konnte ich dann im Herbst 2014 richtig am City College of San Francisco mit drei Credit Kursen beginnen. Alle haben mir unheimlich viel Spaβ gemacht und haben auch wirklich etwas gebracht!

1. Writing for Electronic Media
Basic introductory course in writing for electronic media. Emphasis on preparing scripts in proper formats, including fundamental technical, conceptual and stylistic issues related to writing fiction and non-fiction scripts for informational and entertainment purposes in electronic media. Includes a writing evaluation component as a significant part of the course requirement.

Schreiben, schreiben, schreiben hieβ es in diesem Kurs. Scripte fürs Radio, TV und Internet waren Hauptbestandteile, sowie die Analyse und interpretation verschiedener News Artikel/ Sendungen.

Hier einige Auszüge aus meinen Hausaufgaben:

Web Package 11  Radio Script

 

2. Design Fundamentals
Foundational design course, covering the theories, processes, vocabulary, and techniques common to visual design disciplines. Students will develop and apply their knowledge through analysis, critique and individual and collaborative exercises and projects.

Amy, unsere Professorin, war einfach die Witzigste! Nicht nur, dass die Vorlesungen und Praktischen Anteile immer locker und interessant gestaltet wurden, durch ihre Witze und lockere Art war immer eine gute Stimmung. Besonders an mir war sie interessiert, da ich der Klasse Deutsch beibringen sollte und so kam es nicht selten vor, dass ich mal etwas übersetzen sollte 9auch wenn es eh keiner verstand).

Second Iteration   Reflection   Design Fundamentals Vocabulary Assignment

 

3. Principles of Marketing
A general survey of types and functions of marketing institutions, products and services, channels of distribution, trends in marketing practices, and a study of consumer behavior.

Dies war wohl der anspruchsvollste Kurs von allen, denn mit der Professorin war nicht zu spaβen.
Keine oder verspätete Hausaufgaben waren entweder extrem peinlich, da du schnell mal vor dem ganzen Kurs zur Schau gestellt wurdest oder du hast den Kurs einfach mal nicht bestanden.
Der Inhalt war klasse und auch wenn ich anfangs noch mit vielen Business Vokabeln Probleme hatte, so machte mir der Unterricht super viel Spaβ und ich habe einen guten Überblick in den Bereich Marketing bekommen.

Begleitend zu dem Kurs sollten wir einen Marketing Plan unseres eigenen, neuen (fiktiven) Businesses erstellen. Das reichte von Bäckerei über Gitarrengeschäft zur Internetseite.
Ich habe mir etwas ganz spezielles ausgedacht: Berliner Göre – der Gourmet Foodtruck im herzen San Franciscos der Spezialitäten aus Berlin verkauft. Gut oder? Also ich würde dort hingehen!

Meinen Marketing Plan könnt ihr hier lesen: Marketing Plan