Grand Canyon

GC
Ich erinnere mich, wie ich als junges Mädchen zum ersten Mal über den Grand Canyon erfuhr. Recht schnell war klar: Das muss ich mit meinen eigenen Augen sehen! Egal wie. 
Ich weiβ sogar noch, wie ich mir Musik anmachte, mich auf den Rand meines Bettes stellte, die Augen schloss und mir vorstellte am Grand Canyon zu stehen – mit den Wind in den Haaren und der frischen Luft in meiner Lunge. 
In der neunten Klasse plante ich nach dem Abitur eine Rundreise in den USA, um meinen Traum endlich erfüllen zu können. Als ich mich für mein Au Pair Jahr in San Francisco entschied, wurde die Möglichkeit immer greifbarer.

Wie bereits der 26. Präsident der Vereinigten Staaten, Theodore Roosevelt, sagte, ist der Grand Canyon der einzige Ort, den jeder Amerikaner einmal in seinem Leben besucht haben muss. 
Ich gebe ihm recht.


Tag drei unseres Roadtrips begann: Um 4 Uhr klingelte der Wecker. Ich war hellwach. Jetzt ging es endlich los! Schnell machten wir uns fertig, stiegen ins Auto auf den Weg von Flagstaff etwa 120 km zum South Rim des Grand Canyons, pünktlich zum Sonnenaufgang. 
Dass diese Route wohl die schlimmste unseres Lebens wird, ahnten wir bis dahin nicht. 
Es ging einsam durch die Wüste, durch das Nichts – nur ein blauer Strahl am Horizont brachte ein wenig Licht ins Dunkle. Es war schon etwas gruselig nicht richtig sehen zu können, nicht zu wissen, wo man eigentlich ist, wenn in unmittelbarer Nähe ein riesiger Canyon liegt.

GC0
Doch das eigentliche Problem machte sich nach einiger Zeit schnell bemerkbar, als zwei helle Punkte am Straβenrand vorbeisausten. Was war das? 
Meine Cousine am Steuer verlangsamte die Geschwindigkeit. Da! Schon wieder. Diesmal direkt neben uns. Zwei Augen eines Rehes guckten uns verdutzt an. Natürlich! Morgengrauen, Wildnis – wie konnten wir nicht mit Tieren rechnen? 
Langsam fuhren wir weiter, mit dem Zeitdruck doch rechtzeitig zum Sonnenaufgang am Canyon stehen zu wollen. Weiter die Straβe runter mussten wir plötzlich eine Vollbremsung machen. Hier stand eine ganze Herde und guckte uns mit ihren leuchtenden Augen an. Es handelte sich nur um ein paar Zentimeter, als eins der Rehe direkt vor unser Auto sprang, zuckte und nach unserem Halt mit offenen Mündern weiterrannte. Das war echt knapp. Wie groβ sind die denn bitte? Und diese mächtigen Geweihe. Ich musste sofort an den Horrorfilm denken, in dem ein Auto von einer Herde angegriffen wurde. Mit weichen Knien und klopfenden Herzen fuhren wir weiter in das Waldgebiet, begegneten noch mehreren Tieren, doch konnten immer rechtzeitig stoppen. 
Wäre hier etwas passiert, hätte das Auto locker einen Totalschaden gehabt. Die Wüsten-Hirsche waren außergewöhnlich groβ und ausgewachsen.

 Mit verkrampftem Magen und zitternden Händen kamen wir nach 1,5h endlich am Parkplatz an. Es dämmerte bereits. Einmal tief durchatmen bevor es zum Abgrund ging. Trotz des Schocks der Autofahrt freute ich mich auf das bevorstehende Erlebnis, aus dem Wald zu kommen und plötzlich vor dieser unglaublichen Schlucht zu stehen. Ich wurde nicht enttäuscht.
GC1
Die Bilder sprechen eigentlich für sich. Der Sonnenaufgang war magisch, genau wie ich es mir vorgestellt hatte. Das anschlieβende Frühstück am Grand Canyon Village (achtung, hier darf man keine Waffen mitnehmen!) verbrachten wir im Auto, bevor es richtig losging. 

Am Grand Canyon hat man viele Möglichkeiten die verschiedenen Aussichtspunkte zu besuchen.
GC2
Nach einer Busfahrt in die östliche Richtung entschieden wir uns für den Fuβweg nach Westen. 10km führte ein kleiner Pfad am Rand des Canyon entlang, immer mit Blick in die Schlucht. Vom ‘Village Route Transfer’ liefen wir auf einer einfachen Strecke mit verschiedenen Aussichtsplattformen, wie dem Maricopa, Powell, Hopi und Pima Point bis zur Hermits Rest, wo es mit dem Bus zurückging. 

Es war ein unbeschreibliches Gefühl endlich an dem Ort zu ein, den man schon immer mal sehen wollte.
gc4
GC3
Der Grand Canyon wirkt friedlich und inspirierend. Man taucht in eine andere Welt ein und vergisst, was bisher geschah oder was kommen mag. Hier zählt nur das Jetzt, der Moment.

Mit unserem Auto ging es nach der Wanderung bis zum östlichen Punkt des South Rims, wo wir bis zum Sonnenuntergang warteten. Wir setzten uns an den Fuβ der Klippe,  genossen nochmal die Ruhe und die Aussicht, den Wind in den Haaren und die frische Luft in der Lunge, bevor es wieder mit klopfenden Herzen im Auto in der Dunkelheit zu unserem nächsten Hotel in Page ging – diesmal ohne Rehbegegnungen.
GC 6

Tag drei: 335km
Screen Shot 2015-08-18 at 10.38.45 AM

No Comments

Leave a Reply